Macht mich meine Arbeit dick?

Bin ich zu dick

Ein Blick auf so manches Urlaubsfoto lässt den Einen oder Anderen nochmal genauer hinsehen.. Wo kommt der Bauch her..? Der war vor ein paar Jahren noch nicht da..!? Oder: Ich esse so wenig, ständig nehme ich zu…!?

Die Gründe für Gewichtszunahme sind mannigfaltig. Gleichzeitig gibt es wesentliche Unterschiede, die bei eigentlich unerklärbarer Zunahme um die Taille eines genaueren Checks bedürfen.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Arbeitsbelastung, Herausforderungen des Privatlebens und Veränderungen. Was für den Einen belastend ist und den Schlaf raubt, ist für Andere kein Thema. Unsere persönliche Bewertung der Geschehnisse entscheidet darüber, ob wir etwas als stressig empfinden oder als eine bewältigbare Herausforderung ansehen.

Ist der Mensch gestresst, kommt es immer zu einer Ausschüttung von Stresshormonen. Das Stresshormon #1 ist Cortisol, welches bei dauerhafter Ausschüttung und langem Verbleiben im Blut unter anderem für gedrosseltes Immunsystem verantwortlich ist und das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich erhöht.

Die weitere körperliche Reaktion kann man in 2 Typen unterteilen:

Typ A

  • Sie haben ein empfindliches, hoch-reaktives Stresssystem. Ihr Cortisolwert im Blut bleibt lange erhöht, sie brauchen lange, um es wieder abzubauen. Energie bezieht ihr Körper aus Fett und Muskelzellen – Menschen dieses Typs bleiben unter Stress daher schlank.
  • Steht Typ A dauerhaft unter Stress, entwickeln sich nach einigen Jahren (ab 35 – 40 Jahren) der so genannte „Cortisolbauch“: Während der Taillenumfang wächst, bleibt der restliche Köper gleich oder reduziert sogar Körperfett an Armen und Beinen.
  • Der – oft unerklärlich wachsende – Bauch („Ich verstehe das nicht, ich ernähre mich doch eh gesund und treibe Sport.“) ist dann die Folge dauerhaft erhöhter Stresshormone im Blut. Das Gehirn verwendet das Bauchfett, um dauerhaft für Energie zu sorgen.
  • Muskel- und Knochenmasse nehmen ab (Gefahr der Osteoporose!)
  • Gedächtnis und Stimmung werden schlechter (Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit..)
  • Hohe allostatische Last (darunter verstehen Stresswissenschafter körperlichen und mentalen Verschleiß). Dies bedeutet ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Lebenserwartung ist deutlich verkürzt.

Typ B

  • Ist üblicherweise etwas untersetzt, reagiert weniger stark auf Stressoren. Der Cortisolwert dieses Typs normalisiert sich rasch wieder. Das Gehirn von Typ B zieht seine Energie unter Stress nicht aus den körpereigenen Depots sondern verlangt Energie durch Essen.
  • Gleichzeitig ist seine allostatische Last wesentlich geringer als die eines ansonst schlanken, aber mit Cortisolbauch behafteten Typ A. Daher auch deutlich niedrigeres Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
  • Über Jahre in stressvoller Umgebung ist die Körpermasse eines Typ B Ausdruck einer Strategie, die Energieversorgung des Gehirns sicherzustellen und gleichzeitig das Stresssystem zu beruhigen (Cortisol im Blut gering, rascher Abbau). Die Gewichtszunahme ist somit eine Nebenwirkung bzw. „der Preis“ einer erfolgreichen Stressdämpfung.
  • Insgesamt mehr Körperfett als bei Typ A; Bauchfett (Cortisolbauch) nur gering bis gar nicht beeinflusst.

Ob Sie Typ A oder B sind, manifestiert sich im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Eine bewusste Wahl kann nicht getroffen werden. Wie sie jedoch erkennen welcher Typ Sie und und was Sie tun können:

  • Selbstfürsorge betreiben. Intelligente Strategien zur Stressbewältigung und -vermeidung anwenden.

Dauerhafte Überbelastung und wenige bis keine nachhaltigen Bewältigungsstrategien wirken sich auf die „Brain Pull“ Funktion des Gehirns negativ aus. Unter Stress bezieht das Gehirn Energie aus den Körperreserven durch die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol. Das ist eine wunderbare und lebenswichtige Funktion unseres Körpers. Ist die Belastung vorbei, sinken die Stresshormone im Blut. In einem ständig belasteten System ist der Cortisolspiegel im Blut allerdings dauerhaft erhöht. Dies bringt den Brain Pull durcheinander. Das Gehirn verlangt dann Energie über die Zufuhr von Zucker aus dem Essen. Die Folge sind verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration, Müdigkeit und das (ständige) Bedürfnis zu Essen.

Gefährliche Faktoren für einen geschädigten Brain-pull in der Arbeitswelt:

  • Hohe Anforderungen im Job und geringe Möglichkeit zur Selbstbestimmung.
  • Arbeitszeitverträge, Firmenhandy – ständige Verfügbarkeit, Bonussysteme, Schichtarbeit
  • Unterforderung / Überforderung
  • Essen am Arbeitsplatz
  • Mangelhafte Pausenkultur, stundenlanges durcharbeiten
  • Übermäßiger Genuss von Aufputschmitteln für vermeintlich dauerhafte Leistungsfähigkeit (Kaffee, Energy-Drinks..)
  • Alkohol am Abend
  • Krank arbeiten gehen
  • Kein / zu wenig Ausgleich (Urlaub, Freizeit)
  • Kontraproduktive Stimulanzien zur Entspannung (Handy checken, Fernsehen, Tabak, Antidepressiva, Tranquilizer…)

Was können Sie tun, um festzustellen, ob sie gefährdet sind einen Cortisolbauch zu entwickeln?

  • Untersuchen Sie das eigene Lebensumfeld auf potentielle Torpedos auf den Brain-Pull.
  • Seien Sie ehrlich: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Pausen?
  • Fragebogen: Macht mich meine Arbeit dick?
Fragebogen
Auswertung

Summenwert
0 – 3
4 – 8
9 – 16

Risiko, dass Ihre Arbeit dick macht
sehr gering
mittel
sehr hoch

Quelle / weiterlesen: Achim Peters, Mythos Übergewicht, ISBN978-3-442-74798-6

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